Fahren mit Campingfahrzeugen vor der Urlaubsreise ausprobieren

  • Fahren mit Campingfahrzeugen üben
  • Mit ungewohnten Maßen im engen Straßenraum
  • Parken und Rückwärtsfahren nur mit Hilfe

Foto: AvD / Johannes Huebner.
Foto: AvD / Johannes Huebner.
Der Automobilclub von Deutschland empfiehlt, das Fahren mit Campingfahrzeugen vor dem Start zur Urlaubsreise in Ruhe zu üben, denn nach längerer Standzeit des Fahrzeugs geht auch das Gefühl für dessen Maße verloren. Oft wird bis zur letzten Minute gepackt und dann gestartet – die Versicherungen wissen, wie häufig es dabei zu kleinen, aber teuren Kollisionen kommt. Wer ein Wohnmobil fährt, braucht die Fähigkeiten eines Berufskraftfahrers.

Radstand und Überhang bestimmen die Wendigkeit
Je länger der Abstand zwischen Vorder- und Hinterachse, desto enger wird es im Kurveninnenrand. Bei Radständen von mehr als 3 Metern muss man so lange es geht geradeaus zum Kurvenaußenrand halten und dann mit einer schärferen Lenkbewegung einbiegen, die zum Ende der Kurve wieder nach außen weiter wird. Im Spiegel sieht man dabei die Fahrbahnbegrenzung im Kurveninnenrand, die vom Aufbau und den Hinterrädern nicht überfahren werden sollte. Wie ein Busfahrer muss man beim rechtwinkligen Abbiegen zum Kurvenaußenrand ausschwenken. Vorsicht an Ampeln und nach Halt im Stau: im toten Winkel rechts könnten sich Radfahrer und Fußgänger befinden! Auch Wohnwagen-Fahrer müssen mit dem weiten Kurvenbogen beginnen, bevor sie zum Kurveninnenrand ziehen, um zu vermeiden, dass der Wohnwagen im Kurveninnenrand hängen bleibt.

Der Überhang ist die Länge des Aufbaus vor der Vorderachse und hinter der Hinterachse. Bei großen Wohnmobilen ist der Fahrerplatz manchmal vor der Vorderachse, dann muss man wie ein Busfahrer ausschwenken und beim rechtwinkligen Abbiegen außen knapp an der Fahrbahntrennung zum Gegenverkehr entlang lenken. Auch hier muss man den Kurveninnenrand besonders beobachten. Gefährlich ist das Ausschwenken des hinteren Überhangs. Bei mehr als zwei Metern besteht beim Rangieren oder Abbiegen im engen Radius die Gefahr, die kurven-außen benachbarten Fahrzeuge mit der hintersten Ecke zu berühren. Dies gilt ganz besonders beim Rangieren und auf engen Parkplätzen. Der AvD rät, Wohnmobile und Wohnwagen deshalb unterwegs immer besser entlang der Fahrbahn zu parken, um enge Abstände zu benachbarten Fahrzeugen zu vermeiden. Die wichtigste Grundregel ist: im Zweifelsfall immer anhalten und den Verkehrsraum anschauen, bevor man sich, ggf. mit Hilfe Dritter, durch enge Passagen zwängt.

Rückwärtsfahren möglichst nur mit Hilfe
Wohnmobile und erst recht Caravan-Gespanne erfordern beim Rückwärtsfahren höchste Präzision. Wo möglich, sollte man unter Einweisung eines Mitfahrers oder notfalls auch fremder Dritter rangieren. Aber Vorsicht: für deren Fehler haftet auch immer der Fahrer! Bitte keine Kinder für diese schwierige Aufgabe einsetzen. Der Einweiser muss so stehen, dass man ihn bei allen Fahrmanövern sehen kann, bevorzugt am Kurveninnenrand. Radio aus und Fenster auf, dass man die Anweisungen hören kann. Innenraum-Lichter löschen, dem Einweiser nachts eine Taschenlampe geben. Sobald man den Einweiser nicht im Spiegel oder der Bordkamera sehen kann, anhalten und sich neu verständigen! Kaum zu glauben, aber enge Fahrmanöver lassen sich beim Einparken meist besser rückwärts erledigen, weil man den Aufbau jederzeit neu ausrichten kann. Hofeinfahrten und enge Durchfahrten sollte man rückwärts angehen, wenn zur Einfahrt vorwärts nicht genügend Schwenkraum zum Ausholen vorhanden oder der Kurveninnenrand verstellt ist. Das Rangieren rückwärts mit Caravan-Anhänger muss man üben! Das Denken „um die Hinterachse“ des Zugfahrzeugs ist schwierig, doch wenn man mit der Vorderachse in eine Richtung lenkt, wird die Deichsel des Anhängers zwingend in die entgegengesetzte Richtung gedrückt. Man muss versuchen, möglichst wenig zu lenken und den Deichselbereich des Gespanns am Kurveninnenrand zu halten. Das erfordert vorn oft größere Lenkbewegungen als hinten am Wohnwagen sichtbar werden. Der einweisende Helfer sollte auch hier immer im Kurveninnenrand stehen. Wer sich unsicher ist oder sich „festfährt“, sollte das Stützrad herablassen, die Handbremse ziehen, den Lichtstecker trennen und den Wohnwagen von Hand rangieren, denn Sicherheit geht immer vor. Auf Fähren oder an großen Campingplätzen gibt es manchmal Rangierhelfer, die Camper oder Gespanne platzieren. Doch Vorsicht: auch hier trägt das Risiko der Fahrzeugeigner.

An Engstellen auf freie Fahrt warten
Im Hochgebirge aber auch bei engen Ortsdurchfahrten darf man mit Campern oder Gespannen keine Fahrmanöver beginnen, die man nicht sicher beenden kann. An Engstellen haben Busse meist Vorrang, auch wenn dies nicht ausgeschildert ist. Aber: der Gegenverkehr muss ebenso Rücksicht nehmen und helfen, die gefährliche Situation ohne Unfall zu meistern! Auf vielen Nebenstraßen in Europa ist es so eng, dass sich die Fahrer von sich einander begegnenden Großfahrzeugen miteinander verständigen müssen, wenn sie aneinander vorbei fahren. Vor den meisten Engstellen gibt es Straßenverbreiterungen zum Anhalten – hier müssen große, entgegenkommende Fahrzeuge abgewartet werden. Wichtig: auf Beschilderung zu Höhe, Breite und Gewicht muss geachtet werden! Kleben Sie sich die Maßangaben Ihres Fahrzeuges gut sichtbar aufs Armaturenbrett.

Ladung und Gewicht müssen stimmen
Wohnmobile sind heute so komfortabel ausgestattet, dass ihre Nutzlast geringer sein kann, als vermutet. Auch wenn die Verführung groß ist, vieles mitzunehmen, sollte man doch genau planen, was man braucht. Fahrräder kann man vor Ort leihen, Klappräder sind eine gute Alternative. Leichtes Geschirr, leichte Vorzelte und weniger Vorräte helfen, das Gewicht zu halten. Gespannfahrer müssen umsichtig packen, hier ist die Stützlast der Deichsel das Maß aller Dinge. 75 kg oder auch 100 kg sind das Maximum, das heißt, man kann die Stützlast mit einer Badezimmerwaage prüfen, auf die man das Stützrad des nicht angehängten Anhängers stellt. Doch Vorsicht: zu viel Gewicht hinter den Achsen des Wohnwagens macht das Gespann instabil um die Mittellage, die Neigung zum Pendeln auf unebener Fahrbahn steigt. Beim Packen sollte man schweres Ladegut auf Kofferraum und Wohnwagen so verteilen, dass sich die Gewichte gegenseitig ausgleichen. Die gesamte Ladung muss sicher verstaut sein. Auch im Innenraum eines Wohnmobils darf nichts ungesichert bleiben, denn bei einem Unfall wird es zu gefährlichen Geschossen.

Der Umfang der notwendigen Vorkehrungen macht deutlich, dass der Umgang mit den großen Urlaubsfahrzeugen vor der Reise geübt werden muss, damit die Fahrt sicher und unbeschwert ist – die Parkplätze großer Supermärkte und vor öffentlichen Sportstätten bieten außerhalb der üblichen Nutzungszeiten Gelegenheit, sich in Ruhe einzugewöhnen. Doch auch hier gelten alle Regeln der StVO. Man sollte sich unbedingt eine Begleitperson mitnehmen.

Der 1899 als Deutscher Automobilclub DAC gegründete AvD ist als traditionsreichster Automobilclub hierzulande Mitbegründer des Weltverbandes FIA (seit 1904) und von Anbeginn maßgeblich für Verkehrssicherheit, Tourismus und Sport engagiert. Er vertritt die Belange von 1,4 Millionen Mitgliedern und Kunden in allen Bereichen der Mobilität. Der AvD – Pannenhilfe überall!

– Pressemeldung und Foto: AvD Automobilclub von Deutschland –
Foto: AvD / Johannes Huebner

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