Versicherer kassieren mit „Seniorenzuschlag“ ab


Mit hohem Schadenfreiheitsrabatt auf 30 Prozent, aber:
Versicherer kassieren mit „Seniorenzuschlag“ ab

Von Petra Grünendahl

„Das ist ja wohl eine Unverschämtheit“, entrüstet sich Rosi H. Die Versicherungsprämien in ihrer Kraftfahrtversicherung steigen drastisch an. Ihr Auto ist nigelnagelneu (Baujahr 2010), sie fährt im nächsten Jahr in der Schadenfreiheitsklasse SF 13 (Beitragssatz 40 Prozent) – und doch steigen ihre Beiträge in einem Maß, das auch mit einem erhöhten Gesamtschadenaufkommen im letzten Jahr nicht zu rechtfertigen ist.

Rosi H. ist zu Recht mehr als entrüstet, denn der Versicherer setzt – wie alle Versicherer übrigens – in den Kraftfahrtversicherungen die Versicherungsbeiträge für ältere Autofahrer deutlich höher an: „Seniorenzuschlag“ heißt das in der Branche. Die Versicherten ahnen nichts, einen Vergleich haben sie nicht. Und die Versicherer machen es ALLE nicht transparent. Eingerechnet wird der „Seniorenzuschlag“ in die Prämien, die Versicherte über 70 Jahre (bei manchen Versicherern sogar schon ab 65 Jahre) zu zahlen haben. Der Versicherte merkt nichts davon.

Die Tochter von Rosi H. hat mal ausgerechnet, was sie für „Mamas Auto“ bezahlen würde. Sie ist 28 Jahre jünger, hat 27 Jahre kürzer den Führerschein, besitzt kein Wohneigentum – und würde bei SF 12 (und damit ebenfalls 40 Prozent Beitragssatz) in einer Beispielrechnung 132 Euro weniger bezahlen für Kraftfahrt-Haftpflicht und Vollkasko.

Noch in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrtausends war bei SF 13 und 40 Prozent das Maximum an Schadenfreiheitsrabatt erreicht. Nachdem die Versicherer vor ein paar Jahren die Schadenfreiheitsklassen auf 25 und Schadenfreiheitsrabatte bis 30 oder gar 25 Prozent erweitert hatten, wird nur heimlich still und leise bei den Senioren abkassiert. Man gaukelt den Versicherten vor, dass es immer günstiger wird, aber heimlich still und leise wird abkassiert. So viel zur Transparenz der Versicherer … Transparenz und Offenheit? Information der Versicherten? – Diese Politik der Versicherer steht so ganz im Gegensatz zu einer zur Zeit aktuellen Werbung: Transparenz und Versicherung – zwei fremde Welten treffen sich!

© Petra Grünendahl, November 2010

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