Fahrwerkstuning – Teil 1: Tiefer? – Aber sicher!

Von Petra Grünendahl

Die Fahrwerke moderner Pkws bestehen aus technisch anspruchsvollen, hochentwickelten Komponenten, die aufwändig aufeinander abgestimmt werden müssen, um optimal auf die unterschiedlichsten Fahrbedingungen reagieren zu können. Natürlich geht das nicht ohne Kompromisse, denn unterschiedliche Fahrbahnbeschaffenheiten, Beladungszustände, Geschwindigkeiten und die Straßenführung stellen unterschiedliche Anforderungen an die Abstimmung des Fahrwerks. Sicherheit muss ebenso gewährleistet sein wie Alltagstauglichkeit. Nur über umfangreiche Testreihen und Fahrversuche können Komponentenhersteller die optimale Abstimmung für jedes einzelne Fahrzeugmodell bestimmen. Nicht zu vergessen ist jedoch der Kostendruck, unter dem die Industrie in der heutigen Zeit die Fahrzeuge auf den Markt bringen muss. Bei der Abstimmung der Serienfahrzeuge werden breite Kundengruppen berücksichtigt; dieses führt zu einer grundsätzlich eher komfortbetonten Abstimmung.

Viele Kunden suchen jedoch nach einer individuellen Fahrzeugveränderung. Der erste Schritt im Bereich Tuning gilt meist dem Fahrwerk. Hierbei wird durch die Tieferlegung erzielte optische Verbesserung oftmals gleichgesetzt mit sportlichem Fahrverhalten. Die Fahreigenschaften werden jedoch keineswegs um so besser, je tiefer und härter das Fahrwerk ist. Wer nur um der Optik willen das Fahrzeug bis kurz über den Boden tiefer legt, gefährdet sich und andere. Nicht die Optik bestimmt die Qualität eines Fahrwerks: Die fahrwerktechnische Verbesserung eines Fahrzeuges kann nur gelingen, wenn die optimale Abstimmung zwischen Fahrwerksfeder und Dämpfer gelingt, die nur über umfangreiche Tests am Fahrzeug in freier Wildbahn, d. h. auf Straßen und entsprechenden Teststrecken zu erreichen ist. Breitreifen und große Felgen müssen auch bei zügiger Fahrt vernünftig am Boden gehalten werden. Je breiter die Reifen, umso besser muss das Fahrwerk sein, um die geringeren Federwege des flachen Reifens sicher ausgleichen zu können. Super tief überm Boden ist außerhalb der Rennstrecke zudem alles andere als sportlich. Wer sich danach nur noch vorsichtig über Bodenunebenheiten bewegen darf, weil der Wagen sonst aufsetzt, muss auf einen sportlichen Fahrstil verzichten.

Hauptsache billig?
Unsachgemäße Tieferlegung fängt an bei der billigsten Variante: abgesägten Federn. Die Federwege werden kürzer, die Federrate steigt, der Druckanschlagpuffer muss alle harten Stöße abfangen – diese werden direkt auf die Karosserie übertragen, was wiederum zu Karosserieschäden führen kann. Da helfen auch provisorische Puffer (zum Beispiel Tennisbälle, siehe Foto oben von der GTÜ) in den Windungen der abgesägten Feder nichts. Abgesägte Federn verlieren die dringend benötigte Vorspannung, was dazu führt, dass beim Ausfedern des Fahrzeuges die Feder aus dem Sitz im Federteller oder Domlager springt.

Tieferlegungsfedern sind anders konstruiert als Serienfedern. Sie können eine unterschiedliche Anzahl von Windungen gegenüber der Serienfeder haben, unterscheiden sich jedoch in erster Linie durch die Drahtstärke sowie die sich aus der jeweiligen Konstruktion ergebenden Kennlinie. Denn ein tiefergelegtes Fahrzeug soll seine Alltagstauglichkeit behalten und auch bei voller Beladung einwandfrei funktionieren .

Tieferlegungsfedern als Ersatz für die Serienfedern sollten mit Prüfgutachten kein Problem sein. „Sie sind es aber doch“, erzählt Jochen Schwarz, der über zwanzig Jahre einen freien Kfz-Betrieb hatte, aus seinen Erfahrungen in Werkstatt und Motorsport, „wenn aus Kostengründen die Stoßdämpfer nicht ebenfalls erneuert und durch Sportstoßdämpfer ersetzt werden, die speziell auf Tieferlegung eines bestimmten Fahrzeugtyps abgestimmt sind.“

Tieferlegungsfedern übertragen größere Kräfte, die aufgefangen werden müssen. Geschieht dies nicht, geht zum einen die sichere Straßenlage flöten, zum anderen aber verschleißen die Seriendämpfer unter Tieferlegungsfedern schneller, wodurch sich das Fahrverhalten weiter verschlechtert. Tiefergelegt ohne darauf abgestimmte Dämpfer können Schäden an den Reifen durch Schleifen oder aber ungleichmäßige Abnutzung nach sich ziehen. Eine Tieferlegung muss also immer in Verbindung mit einem darauf abgestimmten Dämpfer einhergehen, damit der verbleibende Restfederweg durch abgestimmte Komponenten optimal genutzt wird.

Aber auch die wahllose Kombination von Tieferlegungsfedern und Sportstoßdämpfern garantiert keine Sicherheit. Wirklich optimale Einstellungen kann man nur in aufwändigen Testreihen und mit Fahrversuchen auf Teststrecken erfahren, wie sie zum Beispiel Bilstein als Spezialist für High-End-Tuning-Stoßdämpfer und Fahrwerke auf den Teststrecken durchführt. Eine solche Abstimmung kann nicht am Schreibtisch gemacht werden.

Mit Qualität sicher unterwegs
Auf der sicheren Seite fährt man mit Fahrwerken eines renommierten Herstellers, der auf reiche Erfahrungen aus dem Motorsport zurückgreifen kann und der seine Komponenten in aufwändigen Versuchsreihen entwickelt.

Bilstein hat als namhafter Erstausrüstungslieferant, z.B. für Porsche, Jaguar, Ferrari und Mercedes-Benz, und als renommierter Motorsport-Entwickler hat alle Optionen für Fahrwerkstuning im Programm: Die Palette zur Fahrzeugveredelung reicht vom Sportstoßdämpfer (Bilstein B6), der mit der jeweiligen Serienfeder abgestimmt wird, über Stoßdämpfer für Tieferlegung (Bilstein B8 und B12), bis hin zu dämpfkraftverstellbaren Gewindefahrwerken (Bilstein B16).

Gewindefahrwerke stellen eine aufeinander abgestimmte Kombination aus Dämpfer und Feder dar, die in einem definierten Verstellbereich optimal funktioniert. Dieser Verstellbereich ist in den jeweiligen TÜV-Gutachten wiederzufinden. Doch der TÜV weiß, dass Gewindefahrwerke von manchen Autofahren dazu genutzt werden, das Fahrzeug nach der Eintragung tiefer als zulässig zu schrauben.

Für die Tieferlegungsfedern und Fahrwerke liefert der Hersteller zwar ein TÜV-Teilegutachten, aber der Einbau muss trotzdem von einem Sachverständigen (TÜV, Dekra, GTÜ, KÜS etc.) abgenommen werden. Wer darauf verzichtet, verliert die Betriebserlaubnis und somit den Versicherungsschutz.

Also Vorsicht: Eine billige Lösung kann sich als die teuerste Variante erweisen! Eine optimale Lösung erfordert fachliche Beratung und ein Abstimmen einzelner Komponenten: kürzere Federn sollten immer mit leistungsfähigen Sportstoßdämpfern kombiniert werden. Diese Lösung geht für den Kunden zwar zunächst mehr ins Geld, zahlt sich aber durch Qualität und längere Lebensdauer aus. Weniger Folgekosten machen einen zufriedenen Kunden – und der kommt immer wieder!

„Unser Ziel ist es, dem Kunden ein Fahrwerk zu bieten, das optimal auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Durch den Einsatz hochwertiger Komponenten und aufwändigen Technologien entwickeln wir Fahrwerke, die unseren hohen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen standhalten und gleichzeitig das typische Bilstein-Fahrgefühl sicherstellen. Sportliche Dynamik, ein sensibles Ansprechverhalten und verbleibender Komfort sind garantiert – Fahrspaß pur!“, so Ralf Galow, Produktmanager Tuning bei Bilstein

Worüber der Kfz-Meister den Kunden aufklären sollte
Der Einbau von nicht oder falsch abgestimmten Fahrwerkskomponenten hat nicht nur ein unsicheres oder unkomfortables Fahrverhalten des Kundenfahrzeugs zur Folge, sondern möglicherweise auch rechtliche Konsequenzen für den Kunden, wie für die Werkstatt, die nicht über die Folgen aufgeklärt und (wider besseren Wissens) den unsachgemäßen Einbau geduldet und durchgeführt hat. Sorgfältige Beratung des Kunden tut deshalb not. Gerade Kunden mit schmaler Geldbörse sollten fundiert beraten und über Folgen aufgeklärt werden.

Jede Tieferlegung muss gewisse Minimalfederwege und einen Mindestabstand zur Straße übrig lassen. Darauf besteht der TÜV.

Also vorsicht: eine billige Lösung kann sich als die teuerste Variante erweisen! Eine günstige Lösung erfordert fachliche Beratung und ein Abstimmen einzelner Komponenten: kürzere Federn sollten gepaart werden mit leistungsfähigen Sportstoßdämpfern. Diese Lösung geht für den Kunden zwar zunächst mehr ins Geld, zahlt sich aber durch Qualität und längere Lebensdauer aus. Weniger Folgekosten machen einen zufriedenen Kunden – und der kommt immer wieder!

Worüber der Kfz-Meister den Kunden aufklären sollte
Der Einbau von nicht oder falsch abgestimmten Fahrwerkskomponenten hat nicht nur ein unsicheres oder unkomfortables Fahrverhalten des Kundenfahrzeugs zur Folge, sondern möglicherweise auch rechtliche Konsequenzen für den Kunden wie für die Werkstatt, die nicht über die Folgen aufgeklärt und (wider besseren Wissens) den unsachgemäßen Einbau geduldet und durchgeführt hat. Sorgfältige Beratung des Kunden tut deshalb not. Gerade Kunden mit schmaler Geldbörse sollten fundiert beraten und über Folgen aufgeklärt werden.

Jede Tieferlegung muss gewisse Minimalfederwege und einen Mindestabstand zur Straße übrig lassen. Darauf besteht der TÜV. Allerdings sollte auf eine maximale Tieferlegung zugunsten eines besseren und sportlichen Fahrverhaltens verzichtet werden. Aber: „Vielen jungen Leuten geht es aber nicht ums Fahren, sondern nur ums Aussehen“, so Ralf Galow, Produktmanager Tuning bei Bilstein. Mit einem gnadenlos tiefer gelegten Fahrzeug kann man nicht sportlich in die Kurven gehen – schon gar nicht, wenn dann noch Bodenwellen oder grobe Unebenheiten unter die Räder kommen. Die Straßenlage ist dann auch schon nicht mehr sportlich straff, dafür aber extrem hart.

Vor dem Umbau sollte der Meister über eine Sichtprüfung erkunden, ob es sinnvoll ist, das Fahrzeug umzurüsten. Das heißt: sind die Achsen, Aufhängungen, Antriebswellen und die Lenkung in ordnungsgemäßem Zustand – und ist mit der vorhandenen Bereifung nach Tieferlegung noch eine ausreichende Freigängigkeit im Radkasten gewährleistet?

Jede Tieferlegung wirkt sich auf die Lenkgeometrie aus. Spur und Sturz müssen nach dem Einbau der Komponenten neu vermessen werden, damit die Reifen nicht einseitig verschleißen. Auch die Beleuchtungsanlagen müssen überprüft werden, da sie bestimmte minimale Höhen über der Fahrbahn nicht unterschreiten dürfen.

Der Hinweis auf die anschließende Pflicht zur Vorführung beim Sachverständigen sollte keinesfalls fehlen. In Produktkatalogen wird das nämlich gerne verschwiegen. „Mit TÜV“ steht dort, meint aber, dass ein Teilegutachten vorliegt. Um die Abnahme kommt der Kunde trotzdem nicht herum. Und: Bis zu dieser Abnahme ist das Fahrzeug ohne Zulassung unterwegs!

Qualität zahlt sich aus
Jede Tieferlegung kostet Geld. Hochwertige Produkte bedingen einen höheren Entwicklungsaufwand, was sich auch im Preis widerspiegeln kann. Dieser Aufwand muss aber sein, wenn die Fahrwerksänderungen nicht zu Lasten von Sicherheit, Komfort und der Lebensdauer von anderen Fahrzeugteilen (siehe Kasten) gehen sollen. Wer mit diesem Beratungsargument seinen Kunden überzeugen kann, hat auf jeden Fall einen zufriedenen Kunden, der wieder kommt. Von der in der Regel höheren Gewinnspanne für die Werkstatt mal ganz zu schweigen. Qualität zahlt sich aus – für beide Seiten!

Unbedingt zur Beratung gehört der Verweis auf Herstellergarantien, TÜV-Teilegutachten für die verbauten Komponenten sowie die grundsätzlich notwendige zusätzliche Abnahme der eingebauten Federn durch einen sachverständigen Prüfer.

Durch den Einbau von Sportfahrwerken lassen sich die Fahreigenschaften der Serienfahrzeuge durchaus wesentlich verbessern. Die richtige Beratung sowie die Selektion der optimalen Komponenten sind hierfür jedoch die entscheidende Vorraussetzung.

Mehr zum Thema gibt es hier:

© 1998-2002 Petra Grünendahl, Fotos: pet (4) und GTÜ (1)

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