Nur wenige Unternehmen berücksichtigen bislang den Weg zur Arbeit in betrieblichen Sicherheitsunterweisungen

Verschenktes Potenzial: Nur wenige Unternehmen berücksichtigen bislang den Weg zur Arbeit in betrieblichen Sicherheitsunterweisungen – insbesondere das Fahrrad sollte mehr Aufmerksamkeit erhalten

Mit Fahrrad und Helm zu Arbeit. Foto: TÜV Rheinland.
Radfahren hält gesund, geht aber auch mit Unfallrisiken einher. Unternehmen, die den Umstieg ihrer Beschäftigten auf das Rad fördern wollen, sollten daher auch Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit zu erhöhen. Darauf weisen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen zum Tag der Verkehrssicherheit am 19. Juni 2021 hin. Im Rahmen ihrer Kampagne „kommmitmensch“ werben die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung dafür, Verkehrssicherheit im Betrieb stärker zu thematisieren und die vorhandenen Angebote vom des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) und der gesetzlichen Unfallversicherung zu nutzen. Tatsächlich ist hier noch Luft nach oben: In einer aktuellen Umfrage gab mehr als die Hälfte der Befragten an, dass der Weg zur Arbeit bei betrieblichen Unterweisungen zur Sicherheit und Gesundheit keine Rolle spiele. Dass Unternehmen für das Tragen eines Fahrradhelms werben, sagten sogar lediglich 11,8 Prozent. 71,6 Prozent verneinten dies. Verschenktes Potenzial, denn bereits einfache Maßnahmen reichen aus, die Sicherheit der Beschäftigten positiv zu beeinflussen.

Die Deutschen haben das Fahrrad wiederentdeckt. Und das nicht erst seit Corona. Viele nutzen das Rad auch für den Weg zur Arbeit und fördern damit ihre eigene Gesundheit. Verschiedene wissenschaftliche Studien kommen zu dem Schluss, dass Beschäftigte, die mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, im Durchschnitt seltener krankheitsbedingt bei der Arbeit fehlen als Auto- und ÖPNV-Nutzerinnen und -Nutzer.

Allerdings haben bislang nur wenige Unternehmen das Thema für sich entdeckt. Das zeigt eine aktuelle – von der gesetzlichen Unfallversicherung in Auftrag gegebene – Umfrage des Marktforschungsunternehmens Civey mit mehr als 7.500 Teilnehmenden. Lediglich ein knappes Viertel der Befragten gibt darin an, dass sich ihr Arbeitgeber für das Fahrrad als Verkehrsmittel einsetze, indem er die Nutzung attraktiv mache – beispielsweise mit finanziellen Anreizen, Duschen, Fahrradchecks oder Abstellräumen.

Diese Haltung spiegelt sich auch in der betrieblichen Verkehrssicherheitsarbeit: Die Frage, ob das Fahrrad bei der betrieblichen Unterweisung eine Rolle spielt, beantwortet nur knapp jede vierte befragte Person mit „ja“. Mehr als die Hälfte der Befragten (53,4 Prozent) gibt sogar an, dass der Weg zur Arbeit bei den betrieblichen Unterweisungen gar nicht vorkomme. Auch auf das Fahrrad bezogene sicherheitsrelevante Maßnahmen bleiben bislang weitgehend unberücksichtigt: So beantworten mehr als 70 Prozent der Teilnehmenden die Frage, ob ihr Betrieb für Fahrradhelme wirbt, mit ’nein‘, obwohl gerade ein Helm im Ernstfall vor schlimmen Verletzungen bewahren kann.

 

„Verschenktes Potenzial aus unserer Sicht“, meint Gregor Doepke, Leiter der Kampagne „kommmitmensch“ beim Spitzenverband der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Denn aus dem Arbeitsschutz wisse man, dass sich Beschäftigte sehr wohl daran orientieren würden, wenn ihr Unternehmen sicheres und gesundes Verhalten fördere. „Gerade Führungskräfte haben in diesem Zusammenhang eine Vorbildfunktion. Wenn der Chef oder die Chefin einen Helm aufsetzt, macht das oft mehr Eindruck als jeder noch so gut gemeinte Hinweis.“ Zur Unterstützung von Führungskräften haben die gesetzliche Unfallversicherung und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat im Rahmen der Kampagne die „Praxishilfe – Sicherheit auf allen Wegen“ unter www.praxishilfe-sicherheitaufallenwegen.de bereitgestellt, um mit einfachen Checklisten sehr schnell zielführende Vorgehensweisen und Maßnahmen zur Vermeidung von Unfällen im Straßenverkehr ableiten zu können.

Sorge macht dem DGUV-Kommunikationsleiter die Entwicklung der Unfälle mit dem Fahrrad. Denn die Zahl der Wegeunfälle mit dem Rad habe in den vergangenen zehn Jahren um mehr als die Hälfte zugenommen. Die sichere Nutzung des Fahrrades sollte zum innerbetrieblichen Gesprächsthema werden. Dabei unterstützen die gesetzliche Unfallversicherung und der DVR mit erprobten Online-Events oder Veranstaltungen vor Ort. Maßnahmen wie Fahrradaktionstage, das Training „Sicherheit für den Radverkehr“, kostenlose Radchecks oder sichere Fahrradstellplätze anzubieten, könnte diesem Trend entgegenwirken und zusätzliche Sicherheit schaffen. „Diese Investitionen lohnen sich“, so Doepke. „Denn weniger Unfälle bedeuten auch geringere Ausfallzeiten.“

Weitere Informationen

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Spitzenverband der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen
Foto: TÜV Rheinland

 

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